Warum True-Crime-Dokus uns so faszinieren, laut Psychologen

18. Februar 2026

In den letzten Jahren haben True-Crime-Dokumentationen und -Formate einen regelrechten Boom erlebt. Die Faszination für wahre Verbrechen zieht immer mehr Menschen in ihren Bann, insbesondere Frauen, die oft intensiver und länger mit diesem Genre beschäftigt sind. Psychologen, wie Dr. Corinna Perchtold-Stefan von der Universität Graz, haben untersucht, was hinter diesem zunehmenden Interesse steckt und welche psychologischen Mechanismen dabei eine Rolle spielen. Die Ergebnisse ihrer Studie zeigen nicht nur eine tiefere Verbindung zu den Geschichten selbst, sondern auch einen klaren Wunsch, sich mit den eigenen Ängsten und dem Thema Sicherheit auseinanderzusetzen. In einer Welt, in der Kriminalität allgegenwärtig scheint, suchen viele einen Weg, ihre Nervosität in etwas Produktives umzuwandeln und daraus zu lernen.

Die Psychologie hinter der Faszination für True Crime

Die Anziehungskraft von True Crime beruht auf verschiedenen psychologischen Faktoren. Wie Perchtold-Stefan erläutert, neigen Menschen dazu, das Unbekannte und Unverständliche erforschen zu wollen. Diese morbide Neugier hilft, das Extreme besser zu verarbeiten, was sich als eine Art von psychologischem Training herausstellt. In geschützten Umgebungen, wie beim Konsum von True Crime-Inhalten, können wir unsere Ängste konfrontieren, ohne uns tatsächlich in Gefahr zu begeben.

Die Rolle von Geschlechterunterschieden

Die Studie zeigt, dass Frauen im Durchschnitt etwa doppelt so viel Zeit mit True-Crime-Dokus verbringen wie Männer. Psychologen vermuten, dass dies mit einer stärkeren Empathie verbunden ist, die Frauen oft aufweisen. Diese Emotion erleichtert es, sich sowohl in die Opfer als auch in die Täter hineinzuversetzen. Zudem wird vermutet, dass Frauen angespannter auf das Risiko reagieren, Opfer von Verbrechen zu werden, und sich durch das Konsumieren solcher Inhalte Strategien aneignen, um mit ihren Ängsten umzugehen.

Das Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Sensationsgier

Ein weiteres zentrales Thema ist die Moral dieser Formate. Während True Crime oft als Aufklärung verstanden wird, bestehen Bedenken über die Grenze zur Sensationslust. Medienanwälte warnen, dass das Schicksal echter Menschen für Ratings und Klickzahlen ausgenutzt wird. True-Crime-Produzenten müssen vorsichtig abwägen, wie sie die Geschichten erzählen, um die Würde der Opfer zu wahren.

  • 🎥 Schaffung von Sensationslust: Wo zieht man die Grenzen?
  • 📰 Die Verantwortung von Medienproduzenten: Ethik in der Berichterstattung
  • ⚖️ Postmortales Persönlichkeitsrecht: Ein notwendiger Schutz für die Opfer?

Empathie und Identifikation

Die Faszination für die Hintergründe von Tätern und deren Tatmotive weckt oft die Frage: Was treibt Menschen zu solch schrecklichen Taten? Der Wunsch, diese psychologischen Aspekte zu ergründen, macht das Genre nicht nur spannend, sondern auch lehrreich. Eine umfassende Auseinandersetzung mit den Motiven hat das Potenzial, Vorurteile abzubauen und Empathie zu fördern, wenn es verantwortungsvoll umgesetzt wird.

Faszination und ihre Schattenseite

Die Untersuchung zeigt, dass einige Zuschauer sogar anfällig für eine Latentfetischisierung von Kriminellen sind. Sechs Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, Positives über strafrechtlich verurteilte Personen zu empfinden. Dies ist ein alarmierendes Zeichen, das die Gesellschaft zum Nachdenken anregen sollte über den Umgang mit solchen Themen.

  • 🧐 Morbide Neugier und ihre Auswirkungen
  • ⚠️ Verantwortung des Publikums: Wie wir die Geschichten empfangen
  • 📚 Bildung durch Faszination: Nutzen für die Gesellschaft?